Endlich ich

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Passen mein Job und ich zueinander?

In meinem letzten Job war ich in einer PR-Agentur angestellt. Ich tat das, was ich konnte. Ich verfasste Presseinfos und Fachartikel, besuchte hie und da meine Kunden und organisierte für sie die Öffentlichkeitsarbeit. Schreiben war ein großer Teil meines Jobs. Ich schreibe gern. Bin damit erfolgreich. Das hätte mich doch eigentlich erfüllen sollen.

Leider nein.

Warum? Meine Texte waren formal korrekt, inhaltlich informativ und seelenlos.

Seelenlose Texte sind trostlos

Die meisten werden ungelesen sofort entsorgt. Und nur,weil viel zu viele davon tagtäglich produziert und versendet werden, landen überhaupt welche in Magazinen und Zeitschriften. Und das wiederum nur, weil in immer kleiner geschrumpften Redaktionen immer desillusioniertere Redakteure sitzen, die gar keine Zeit haben, eigene Texte zu verfassen. Sie sind also faule Kompromisse auf Kosten der Lesenden.

Seelenlose Texte haben meist nicht einmal ein richtiges Thema. Ihr Inhalt wird „generiert“, um oberflächliche Aufmerksamkeit zu wecken. Inhalt, der niemanden zum Nachdenken anregt, der keinerlei weiteren Funken entzündet in den Menschen, der einfach nur die dumpfe Medienmaschinerie mit ihren immergleichen Mechanismen antreibt und am Laufen hält.

Was ich nicht mehr will

Irgendwann kam ich drauf, dass ich keine seelenlosen Texte mehr schreiben will, weil es Verrat am Schreiben ist. Verrat am Text und Verrat an einem Talent, das in mir schlummert.

Deshalb hörte ich auf, seelenlose Texte zu schreiben.

Das wäre ein schöner Satz. Einer, den ich gerne beiläufig in Gesprächen erwähnen würde. Einer, der perfekt den Augenblick der Entscheidung zur Selbstständigkeit beschreiben würde. Aber so einfach ist es nicht.

Deshalb schrieb ich weiter seelenlose Texte. Und wurde unzufrieden. Ging jeden Tag ins Büro, wohlwissend, dass das, was ich dort machen würde, völlig nutz- und sinnlos war.

Fragen stellen

Damals habe ich mir folgende Fragen gestellt:

  • Bin ich stolz auf das was ich tue/Will ich davon erzählen?
  • Fehlt meine Arbeit jemanden, wenn ich sie nicht tue?
  • Kann ich voll und ganz im Augenblick versinken, wenn ich meine Arbeit mache?
  • Gehe ich mit einem Hochgefühl aus meiner Arbeit nach Hause?
  • Kann ich mir vorstellen das, was ich mache, an andere weiterzugeben/ zu lehren?

Und hier die Antworten:

  • Wenn ich von meinem Job erzähle, dann liegt hinter jedem Statement Ironie und/oder Zynismus. Ich habe das Gefühl, gar nichts Besonderes erzählen zu können, weil nichts von dem was ich tue, die klischeehaften Erwartungen meiner Zuhörer erfüllt. Meist hab ich aus dem Job gar nichts zu erzählen, die Tage gleichen einander und beinhalten keine Höhepunkte.
  • Meine Arbeit fehlt nüchtern betrachtet niemandem. Sie macht die Welt kein Stückchen besser, sie macht Menschen nicht glücklicher.
  • Wenn ich meine Arbeit mache bin ich zwar offiziell erfolgreich, kann ich nebenher meist noch Emails lesen, telefonieren und im Internet surfen.
  • Die Nachmittage sind lang ziehen sich ewig. Nach Hause gehe ich mit einem Gefühl der Befreiung. Die fehlende Bewegung macht mich müde und verspannt.
  • Ja, ich kann mir vorstellen, anderen etwas über PR/Öffentlichkeitsarbeit zu erzählen. Das Thema ist an sich ja interessant, was mich frustriert, sind die Umstände des angestellten Bürojobs ohne eigene Gestaltungsmöglichkeiten.

Erkenntnis und was dann?

Dass der Job in seiner damaligen Form also nicht zu mir passte, war offensichtlich. War ich das Problem? Konnte ich mich nicht gut genug anpassen?

Oder hatten weder Job noch ich Schuld, weil wir einfach nicht für einander geschaffen waren?

Ich dachte damals viel darüber nach. Fühlte in mich hinein. Und erkannte nach und nach, dass der Job schon ok war. Für jemand anderen.

Dass er aber mit mir, mit meinem innersten Kern nichts zu tun hatte. Und dass deshalb dass, was ich dort jeden Tag darstellte, nicht ICH war. Aber was bin ICH? Und was bist DU?

Kleiner Nachtrag 2017

Diesen Beitrag habe ich 2012 geschrieben, als ich noch in der großen Umbruchphase war, am Sprung in die Selbstständigkeit. Heute, 5 Jahre später, mache ich das, was ich mir erträumt habe. Ich bin Shiatsu-Pratikerin und selbstständige PR-Beraterin/Marketingfrau. Und das Tolle daran? Ich schreibe wieder Texte. Weil ich das gut kann und weil ich das jetzt wieder gerne tue. Zum einen als erfolgreiche PR-Beraterin/Marketingfrau und zum anderen als Bloggerin über Frauen auf dem Weg zum Erfolg. Seelenlos sind die nun nicht mehr. Und das macht so richtig zufrieden.

Deine "Midlife Bitch"
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