Endlich ich

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Springen ohne Netz – unheimlich (und) spannend

Ich startete damit, mich über verschiedene Shiatsu-Ausbildungen zu informieren, wählte aus dem Bauch heraus eine Schule und besuchte dort einen Informations-Abend. Drei Tage später war ich für den berufsbegleitenden Kurs angemeldet, eine Woche später saß ich in meiner ersten Blockveranstaltung, dem Auftakt einer dreijährigen Ausbildung.

Damals hatt ich mich, ohne viel drüber nachzudenken, auf den Weg zum Erfolg gemacht.

Meinen PR-Job erledigte ich weiterhin mit Routine, an den Wochenenden und vielen Übungs-Abenden tauchte ich jedoch in eine neue Welt ein, lernte neue Sichtweisen kennen, erfuhr, wie erfüllend es ist, mit den Händen zu arbeiten und direktes Feedback von Menschen zu bekommen. Schnell war mir klar, dass ich die richtige Entscheidung getroffen, das Richtige gewählt hatte. Rückblickend vergingen die drei Jahre der Ausbildung wie im Flug, machten mich jedoch Stück für Stück zu einer Anderen, einer, die ich lieber mag. Weil ich etwas tue, das Sinn macht. Weil ich die Welt für einen Menschen im Augenblick der Behandlung zu einem besseren Ort machen kann. Weil ich, während ich behandle, im Flow bin, ganz Frau und ganz bei mir.

Dieses Gefühl macht süchtig. Und ich wollte mehr davon.

Gegen Widerstände

Zuerst reduzierte ich meinen PR-Job auf 30 Stunden, um mehr Zeit für Shiatsu zu haben. Gegen Ende der Ausbildung wollte ich für das Verfassen meiner Diplomarbeit und die Vorbereitung zur Diplomprüfung ein halbes Jahr Auszeit vom Job nehmen und in Bildungskarenz gehen. Es war mir wichtig, für diesen Schritt Zeit und Raum zu haben. Außerdem hätte ich auf diese Weise nach der Diplomprüfung gut wieder halbtags in den PR-Job einsteigen und daneben meine Shiatsu-Praxis aufbauen können. Leider wollte mein Arbeitgeber das nicht unterstützen und stellte mich somit vor die Wahl, PR oder Shiatsu.

An diesem Punkt wurde mir klar, dass ich meine Komfortzone verlassen und kündigen musste. Man hatte mir die Entscheidung abgenommen, das Universum hatte mich überraschend aus meinen alten Schienen genommen und auf neue gestellt. Das Alte war nun ganz klar etwas, das ich nicht mehr machen wollte. Das Neue lag vor mir und wollte entdeckt werden.

Wie sicher ist die Sicherheit?

Lange hatte ich gezögert, und von mir aus hätte ich vermutlich nicht einfach so gekündigt, die „Sicherheit“ eines angestellten Jobs aufgegeben. Schon allein deshalb, weil mir seit jeher eingebläut worden war, „dass ein sicherer Job das Wichtigste ist, dass man ohne einen sicheren Job nichts ist, dass man froh sein muss, einen Job zu haben, vor allem in Zeiten wie diesen!“

In Zeiten, die so sehr von Ängsten bestimmt sind, dass wir uns gar nicht mehr trauen, selbstständig zu denken?

Exkurs: Zeit der Angst

Manchmal denke ich mir, dass die Jahre nach der Jahrtausendwende als „Jahre der Angst“ in die Geschichte eingehen werden. Schlage ich eine Zeitung auf oder lese ich ein Online-Medium, springen mir Angstbotschaften entgegen. „Wirtschaftskrise breitet sich aus, Arbeitslosigkeit steigt, Eurozone bricht zusammen, Terrorismus, Umweltzerstörung, Klimawandel, Energie-Knappheit, Pensionen nicht gesichert, Verbrechen an allen Ecken und Enden.“

Vergleiche ich diese Botschaften mit meinem realen Leben, passt das überhaupt nicht zusammen. Nichts davon beeinträchtigt mich tatsächlich. Dennoch hinterlässt die Beschallung mit düsteren Botschaften ein flaues Gefühl in meinem Magen. Drückt meine Stimmung, schürt meine Angst. Meine Angst vor etwas, das ich vielleicht nicht verstehe aber das ja da sein muss, weil es gebetsmühlenartig wiederholt und verbreitet wird und gegen das ich nichts tun kann, weil es von gesichtslosen Mächten erzeugt und global verbreitet wird.

Dieses Gefühl ist diffus und schwer fassbar – und es macht hoffnungslos und passiv. Lässt viele von uns das Gegebene einfach hinnehmen, glauben, dass jeder Widerstand zwecklos ist, weil wir ja nicht mal unseren Gegner erkennen.

Soll man sich also abschotten von Medieneinfluss, zurückziehen wie im Biedermeier und nur noch im Schrebergarten dem kleinen Glück frönen? Oder braucht es neue Gegenentwürfe, die hoffnungsfrohe Botschaften und Aufbruchstimmung verbreiten, damit die Welt auch wieder Persönlichkeiten hervorbringt, die Verantwortung und Gestaltungswillen mitbringen?

Denn, dass etwas passieren muss, ist klar. Doch sind Menschen, die Angst haben, fähig, eine Revolution zu tragen? Wie machen wir uns und anderen klar, dass die Angst nicht real ist und dass wir es selbst in der Hand haben, die Welt zu gestalten?

Deine "Midlife Bitch"
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